Schachmatt dem Virus! – Wettkampf im Zeichen der Neuen Normalität

Schachfreunde Nickenich stellten engagiertes Schachwochenende auf die Beine

Die Schachfreunde Nickenich organsierten Anfang September als einer der ersten Vereine in Deutschland wieder einen Wettkampf im Turnierschach. Unter Corona-Bedingungen fanden das 27. Rhein-Ahr-Mosel-Jugend-Open sowie der 21. Pellenz-Cup für 4er-Teams in der Pellenzhalle Nickenich anders als üblich statt. Wegen rückläufiger Infektionszahlen hatte man sich in Absprache mit der Ortsgemeinde Nickenich und dem Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz für die Ausrichtung entschieden – ihnen gilt wegen ihres Vertrauens der Dank des gesamten Vereins.

Die Grundlage bildete ein umfangreiches Hygienekonzept, das die Teilnehmerzahl auf 100 begrenzte, den Bretterabstand festlegte und die Maskenpflicht beim Bewegen im Turniersaal verordnete. Am Brett selbst konnte der Mundschutz jedoch abgelegt werden. In allen Räumen standen Desinfektionsspender bereit. Durch die Einbahnstraßenregelung wurde der Strom der Anwesenden so gelenkt, dass keine Stauungen auftraten. Zur Eindämmung der Aerosolbildung wurde der Turniersaal ausreichend belüftet. Die Bewirtung im Speisesaal und die Nutzung der Sanitäranlagen waren ebenfalls auf das Eckpunkte-Papier abgestimmt. Markierungen zeigten im gesamten Innenbereich an, wo man zu warten hatte. Das gute Wetter spielte den Verantwortlichen zusätzlich in die Karten.

Um den Sicherheitsabstand zu Spielern zu gewährleisten, waren am Boden bestimmte Bereiche markiert, in denen sich die Eltern/Betreuer während der Partien aufhalten durften.

Wie stark und ungebremst die Leidenschaft für Schach war, bewies der Umstand, dass die Voranmeldung bei Erreichen der 100er-Marke geschlossen wurde und Schachfreunde aus der Schweiz und Belgien angereist waren. Nach krankheitsbedingte Absagen saßen 90 Kinder und Jugendliche endlich wieder zurück am Schachbrett. Auch bei den Erwachsenen übertraf die Freude am Sport die Sorge vor dem Virus. Rund 80 Schachspielerinnen und Schachspieler, verteilt auf 19 Teams, maßen sich im fairen Kampf um die Uhr. Trotz der Einschränkungen kam allenthalben knisternde Turnieratmosphäre auf. Schnell gewöhnte man sich an die Regeln der Neuen Normalität und tat das, was man sonst auch getan hätte: Nämlich Schach spielen!

Der Erste Vorsitzende der Schachfreunde Nickenich, Jens Wohde, zeigte sich wie die Gruppenleiter, der Vorstand sowie die zahlreichen Helfer des Orga-Teams, beeindruckt von der guten Moral der Teilnehmer: „Ob Alt oder Jung – alle bewiesen ein Höchstmaß an Disziplin. Verhaltensregeln und Auflagen wurden mustergültig umgesetzt. Der Zeitplan konnte eingehalten werden. Das war vorbildlich.“

Lukas Hesch (Schachfreunde Nickenich) freute sich wieder eine Turnierpartie am Schachbrett spielen zu können.

Den Auftakt machten samstags die Kinder und Jugendlichen aus 38 Vereinen in den Altersklassen U8 bis U18. Um ein Gedränge im Turniersaal zu vermeiden, wurde der Nachwuchs an fixen Treffpunkten von seinen Gruppenleitern abgeholt und nach Bekanntgabe des Spieltisches ans Brett geleitet. Nach dem Ende jeder Partie hoben die Teilnehmer die Hand, um das Ergebnis mitzuteilen – so konnte hektische Betriebsamkeit vermieden werden. Folgende Jugendspieler gewannen in ihren Altersklassen: Michelle Trunz, Godesberger SK (U18); Felix Tiggermann, SF Schöneck (U14); Benjamin Borriss, SG Siebengebirge (U12); Oscar Vranckx, SF Mainz (U10); Lennard Höhler, SK Niederbrechen (U8). Von den Schachfreunden Nickenich traten an: Nick Schrott (U18), Marco Biegel (U18), Lukas Hesch (U18), Alexander Seng (U18), Patrick Remy (U18), Joanis Seng (U14) und Oliver Nolde (U10).

Bei mehr als 1,50m Abstand der Bretter hatten die Spieler großzügigen Platz zum Austragen ihrer Partien.

Sonntags, am Pellenz-Cup beteiligten sich 19 Mannschaften, die den Sieger unter sich ausfochten. Der Godesberger SK führte am Ende des Turniers die Tabelle an. Auf dem zweiten Platz folgte der SC Heimbach-Weis/Neuwied. Dritter wurde der SV Koblenz. Das hohe Niveau des Cups wurde durch die Teilnahme von Bundesligamannschaften und Oberligisten unterstrichen. Das Nickenicher Team, bestehend aus Michael Daumen, Stefan Adam, Guido Hillen, Lukas Hesch und Marco Biegel, konnte sich im guten Mittelfeld platzieren. Wie jedes Jahr rundete ein attraktiver Preisfonds in Höhe von 2500 Euro den Schachtreff an beiden Tagen ab, der in Form von Sachpreisen für alle Teilnehmer ausgeschüttet wurde. Die ausführlichen Ergebnisse und Impressionen sind auf www.schachtreff-nickenich.de abrufbar. Aufgrund der der äußerst positiven Resonanz wird es auch nächstes Jahr, am 4. und 5. September 2021, den traditionsreichen Schachtreff Nickenich geben.

Sonntags, beim Pellenz-Cup für 4er-Teams durften die Erwachsenen an die Schachbretter. Die Mannschaft des SV Mendig-Mayen (links) um Markus Mattern wurde Sieger Bezirkswertung Rhein-Ahr-Mosel.

Fotos: privat

Thorstens Talentschmiede gegen den deutschen Meister

Zum 20-Jährigen Bestehen der Schachabteilung des TC Grafschaft war ein Jubiläums-Simultan an 20 Brettern gegen einen Großmeister geplant. Die Wahl von Jugendtrainer Thorsten Kammer fiel auf Luis Engel. Denn dieser ist mit 17 Jahren der zweitjüngste Großmeister Deutschlands und spielt attraktives Schach, was auch bei der Zielgruppe ankommt. Aber Corona verhinderte nicht nur ein normales Saisonende der zweiten Mannschaft des TC Grafschaft, sondern auch diese Veranstaltung. Doch um das Vorhaben nicht einfach aufzugeben, wurde improvisiert und vereinbart, das Simultan statt im Clubheim des TC Grafschaft online durchzuführen.

„Das ursprünglich geplante Datum passte immer noch in den Terminkalender und ich bin Luis sehr dankbar, dass er es möglich gemacht hat. Denn erst letzte Woche wurde er in Magdeburg der jüngste deutsche Meister aller Zeiten. Da hat sich das Daumen drücken gelohnt“, so Thorsten Kammer, der über seine persönlichen Kontakte zu einigen Großmeistern dieses Event erst ermöglichte. „Es ist für unseren Verein eine große Wertschätzung und für die Nachwuchsarbeit ein sehr gutes Zeichen, dass wir gegen einen so starken Spieler antreten dürfen.“

Der Wettkampf ist schnell erzählt. In einem Uhrensimultan (jeder Spieler bekommt 30 Minuten, aber der Simultanspieler muss diese auf alle Bretter verteilen) spielte Thorstens Talentschmiede zuerst mit Schwarz und dann in der Rückrunde mit Weiß gegen den Großmeister. Gespielt wurde online, das bedeutet, dass die Spieler vor Ihren Bildschirmen auf denen Brett und Figuren abgebildet sind sitzen und ihre Züge über die Maus eingeben. Natürlich gilt auch hier die Schachetikette, das bedeutet im Wesentlichen, dass man nicht cheatet, also sich Hilfe (z.B. von Schachengines) holt. In der Hinrunde agierten für den TCG die amtierende U-10 Bezirksmeisterin Laura Schröder, der Pokalsieger Konrad Langner, Luca Häusler, das Spitzenbrett Jonas Naumann und der mehrfache Bezirksjugendmeister Timo Schröder. Spielertrainer Thorsten ergänzte seine Trainingsgruppe. Er hatte aber genau so wenig Chancen, wie der Rest des Teams. Luis Engel spielte stark und auch sehr schnell, so dass er es schaffte den Druck der Uhr auf die TCG zu übertragen. „Bis dahin fühlte ich mich in der Stellung wohl, aber dann hatte ich einfach zu wenig Zeit“, war an einigen Brettern das Fazit.

In der zweiten Runde wurde die TCG durch Elisa Naumann, ebenfalls amtierende Bezirksmeisterin, verstärkt. Im Gegensatz zur Hinrunde sah es lange so aus, als sollte zumindest Jonas Naumann tatsächlich gute Chancen auf einen Punkt haben. Aber in Zeitnot drehte der deutsche Meister das Blatt, so dass es eine klare Angelegenheit wurde. Luis behielt seine weiße Weste und beeindruckte nicht nur durch sein Spiel, sondern auch durch seine sehr angenehme Art.

Da dieses Simultan für eine Beteiligten eine super Sache war, wurde beschlossen, einen vergleichbaren Wettkampf gegen die gesamte Schachabteilung des TC Grafschaft online durchzuführen. „Vielleicht schaffen wir es ja auch nach der Corona-Krise noch einmal ein Simultan vor Ort durchzuführen, um sich auch persönlich kennen zu lernen. Ich hoffe, dass bleibt nicht nur ein frommer Wunsch“, so Thorsten Kammer. Luis Engel verabschiedete sich mit einer E-Mail-Botschaft in der er sich für die Einladung zum Event und die von Timo Schröder administrierte Technik bedankte. Er hoffe genau wie wir auf ein dann hoffentlich etwas spannenderes Rematch.

Titelbild:

Laura und Timo Schröder gemeinsam gegen den dt. Meister